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Das Karl-Heinz Köpcke-Buch

Das Karl-Heinz Köpcke-Buch

Wir waren mit den Vorbereitungen für unseren Umzug beschäftigt, als ich im Keller unseres alten Hauses einen Karton entdeckte, dessen Inhalt mir wenig bekannt vorkam. Es kam beim Ausräumen und Verpacken unserer im Keller untergebrachten Besitztümer schon mal vor, dass ich auf längst vergessene Dinge stieß, bei denen mir aber dann doch schnell wieder einfiel, warum ich sie im Keller aufbewahrt hatte. Sentimental sehr wertvolle Funde und Gegenstände, von denen man sich ein Leben lang nicht trennen mag, sind darunter. Dieser Karton mit seinen Inhalten muss jedoch zu einer Zeit im Keller gelandet sein, als ich entweder in großem Stress gewesen war oder aber jemand anders hatte ihn dort abgestellt.


Die erste Inaugenscheinnahme der Inhalte ergab dann ziemlich schnell, dass in dem Karton einige Erbstücke meines vor über 20 Jahren verstorbenen Patenonkels Karl-Heinz Köpcke aufbewahrt wurden. Die Zeit vor seinem Tod war damals nicht nur emotional für seine Familie sehr belastend. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir meinen Onkel damals auf seinen Wunsch hin aus der Reha-Einrichtung in seine Wohnung gebracht hatten. Mein Onkel hatte die letzten Stunden seines Lebens vor sich und sein Wunsch war es, diese in seinem eigenen Zuhause zu verbringen. Der Transport von der Klinik bis in seine Wohnung wurde von Pressefotografen verfolgt, die ungerufen und auf rücksichtsloseste Art und Weise den sterbenden Karl-Heinz Köpcke unbedingt fotografieren mussten. In der folgenden Nacht verstarb dann mein Onkel. Keine schönen Erinnerungen!


Die Kiste nun muss ich irgendwann in den Keller gestellt haben mit der Absicht, mich um den Inhalt zu kümmern, wenn die Erinnerung an diese schlimmen Erlebnisse ein wenig verblasst sein würden. In der Kiste fand ich jedenfalls, neben einem Bembel vom „Blauen Bock“ und anderen Erinnerungsstücken meines Onkels an seine Zeit beim Fernsehen, ein Manuskript.


„Das Karl-Heinz Köpcke Buch“ stand da auf der ersten Seite geschrieben. Ich nahm mir vor, das Manuskript bei nächster Gelegenheit zu lesen, und verpackte es sorgfältig zwischen unserem Umzugsgut.


Es war wieder einige Zeit vergangen, bevor ich dann dazu kam, mich in unserem neuen Zuhause dem Manuskript zu widmen. Mein Onkel hatte ein Buch geschrieben, das seinen Fans seltene Einblicke in seine so sehr gehütete Privatsphäre bot. Er muss wohl den Wunsch gehabt haben, seinen Zuschauern unbekannte Facetten seiner Persönlichkeit zu zeigen. Vielleicht empfand er auch, dass das Image des stets sachlichen Tagesschau-Sprechers ihm nach den langen Jahren beim Fernsehen nicht mehr ausreichte? Ich weiß es nicht, aber ich bin mir sehr sicher, dass es ihm ein besonderes Anliegen gewesen sein muss, dieses Buch zu schreiben. Daher habe ich mich zur Veröffentlichung entschieden.


Copyright © 2014 Jörg Schädlich